Werkstatt & Atelier Alfred Raddatz

…oder auch: „Warum hat man als Musikwissenschaftler ein Atelier?“.

In vielen kreativen Berufen ist es gängig, dass die praktischen Erfahrungen und die Präsentation der eigenen Fähigkeiten einen höheren Stellenwert besitzen als ein zertifizierter Abschluss. Diese Haltung entspricht im Grunde dem Konzept des ‚Genies‘: Ohne eine institutionalisierte Lehre erschufen Personen wie etwa Grandmaster Flash oder J. K. Rowling Kunstwerke, die über Jahrzehnte hinweg Relevanz für die entsprechende Kunstrichtung haben.

Was hat das nun mit einem Atelier und einem Musikwissenschaftler zu tun? Nun, es ist ja so, dass wir unsere Welt über Worte und Taten definieren. In meinem Fall bin ich eben Künstler dadurch, dass ich mich als bildender Künstler deklariere und Kunstwerke schaffe, die in dieser Kategorie zu verorten sind. Also anders gesagt, werde ich Bildhauer, wenn ich selbst und andere mich als Bildhauer erkennen können. Oder in meinem Fall eben als Kunsthandwerker und Musiker.
Damit wird auch der Arbeitsraum eines Künstlers – das Atelier – zu einem solchen lediglich durch die Verortung des Schaffensprozesses in diesen Räumlichkeiten.

Die drei Räume, die ich seit August 2015 gemietet habe, sind mehr als nur 44 Quadratmeter Grundfläche mit der Möglichkeit, schmutzig, laut und ungestört zu arbeiten. Sie bieten mir ein Umfeld, das Kreativität fördert und in dem ich Ideen in Materie umsetzen kann. Auch die Lage ist Teil des kreativen Potentials, denn auch wenn die Anbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln nicht schlecht ist, kann man nicht von einer zentralen Lage sprechen. Der Weg dorthin bietet also die Möglichkeit, eine Zäsur im Alltag nachzuvollziehen und sich auf die andere Umgebung einzustellen.

Während ich in den ersten Monaten noch nicht recht wusste, „was diese Werkstatt nun kann“, wurde mir im Sommer 2016 immer klarer, was für Potential sich darin verborgen hielt. Oft nutzte ich die Werkstatt als Ausgangs- und Logistikstelle für gemeinsame Ausflüge – etwa zum F.A.T.E. oder zur Фусион – und zur Vorbereitung, Lagerung und zum Basteln. Weil schon immer eine Werkbank und Farbe zur Hand waren und ich meine kreativen Anlagen nun nach Herzenslust ausleben konnte, wurde die Werkstatt um den Bereich „Atelier“ erweitert. Besonders wenn man viel mit dem Kopf arbeitet, wie es in der Musikwissenschaft nun einmal zum Tagesgeschäft gehört, ist die kreative Arbeit und das Werkeln eine sehr bereichernde Abwechslung.

Auch wenn ich oftmals allein in der Werkstatt bzw. dem Atelier arbeite, habe ich doch gerne Leute dort. Gemeinsame Projekte und Besuche gibt es immer wieder, und natürlich ist auch eine kleine Nische für die Zubereitung von Kaffee oder Tee vorhanden – Kekse inklusive.
Einen enormen Zuwachs erhielten die Räumlichkeiten, als eine Freundin aus ihrem WG-Zimmer auszog und einige ihrer Sachen zwischenlagerte. Weil die lange bestehende WG in der ehemaligen Egestorffstraße aufgelöst wurde, kamen nun auch eine Menge Materialien zur Weiternutzung in die Werkstatt. Zusätzlich sorgten nun auch neue, spannende, dekorative Kleinigkeiten für eine inspirierende Atmosphäre.

Warum nun diese Selbstdarstellung und die autobiographische Herleitung des Ortes „Werkstatt & Atelier Alfred Raddatz“? Ich möchte euch lediglich die Idee vermitteln, dass es keine okkulte Magie oder elitäre Beschäftigung ist, ein Atelier bzw. eine Werkstatt zu nutzen. Man muss auch nicht alles auf eigene Faust organisieren, wie es bei mir größtenteils der Fall war. Es erfordert lediglich die Offenheit, einen Raum mit der eigenen kreativen Energie zu füllen.

Zu guter Letzt möchte ich noch den Leuten danken, die mich tatkräftig, mental oder anderweitig beim Aufbau und der Arbeit in und an der Werkstatt (und dem Atelier) unterstützt haben!

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Ein Gedanke zu „Werkstatt & Atelier Alfred Raddatz

  1. […] Gerade diese Herausforderung mit dem Bauen und der immer gleichmäßigeren Gestalt der Produkte fesselt mich bis heute. Und während ich bastelte und experimentierte, ging ich meiner Umwelt ständig mit diesem Thema auf die Nerven. Mittlerweile haben sich mehr Leute mit ‘Tetraedismus’ anstecken lassen, und wir bauen gemeinsam große Tetraeder, die als Skulpturen wahrgenommen werden. Was eben nicht zuletzt an der Masse bzw. der Größe liegt, denn meiner Erfahrung nach fragen ab 2 Metern Höhe die Leute nicht mehr nach dem Nutzen – es ist plötzlich Kunst und aus einer Werkstatt wird ein Atelier. […]

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