Digitaler Wandel (Teil 1) | digital shift (part 1)

[English Version below]
Oft wird heute von einer digitalen ‚Revolution‘ gesprochen. Dieser Begriff ist ein wenig irreführend, da wir es nicht mit einer totalen, radikalen Ablösung analoger Medien und dem damit verbundenen Verhalten der Menschen zu tun haben.
Vielmehr befindet sich unsere Welt seit Einführung der digitalen Möglichkeiten ab den 1980er Jahren im konstanten Wandel.
Die Ungeheuerlichkeit dieser Veränderung steht außer Frage: Kommunikation, Informationsbeschaffung und Ablaufsteuerung verändern unsere Welt in beinah jeder Facette – von der Produktion unserer Lebensmittel zur Überwachung globaler Vorgänge bis hin zum Kontakt über Strecken von mehreren tausend Kilometern.

Doch einem zentralen Punkt möchte ich hier hervorheben: Wir haben schon immer als soziale Gruppe gelernt.

Dieser Punkt scheint banal, denn im Grunde wissen wir, dass man sich stets nur einen winzigen Teil des menschlichen Wissens aneignen kann. Dennoch ist die Idee von Gesamtheit tief in unserem Denken verankert und man möchte gerne „alles verstehen“.
An dieser Stelle muss die die erste Überwältigung des Individuums auftreten, mit der eine Erkenntnis einhergehen sollte:
„Ich kann mit meinen begrenzten menschlichen Kapazitäten nur einen kleinen Teil im Denkprozess der Menschheit beitragen.“

An dieser Stelle gibt es nun mindestens zwei Möglichkeiten, wie man den digitalen Wandel mit dieser Erkenntnis begeht:
1. Passiv. Man lebt ohne nachhaltige Entwicklung in der soziokulturellen Umwelt oder verweigert sich einer Mitarbeit.
2. Aktiv. Man nutzt die materiellen und geistigen Ressourcen dieser Gesellschaft, damit der globale Wandel vorschreiten kann.

Um zurück zu kommen auf den zentralen Punkt dieses Essays: Wir haben schon immer als Gruppe gelernt, doch verändern unsere materielle und geistige Umwelt stets durch technologische Neuerungen.
So etwa baut der Fortschritt des römischen Reiches auf den Entwicklungen der Landwirtschaft, Geographie, Statik, Metallverarbeitung und vielen mehr auf; die industrielle Revolution wurde durch die Nutzung fossiler Brennstoffe, transatlantische Verbindungen und der massenhaften Verbreitung gedruckten Wissens ermöglicht.

Stetig lernen wir also nicht nur, um die eigenen Chancen zu verbessern und mit den technologischen Errungenschaften unserer Vorfahren einen Vorteil zu erarbeiten – wir schaffen (quasi als Abfallprodukt unserer egoistischen Aktionen) einen gesamtgesellschaftlichen Wandel.

Dieser Wandel ist weder Fortschritt noch Verfall, denn eine Wertung ist im laufenden Prozess nur schwerlich möglich.
Möchte man eine ethische Komponente dieser Vorgänge untersuchen, so kann man stets nur ein reduziertes, vereinfachtes Bild der komplexen Zusammenhänge in den Blick nehmen.

Viel praktischer ist es dahingegen, den Wandel in seiner Komplexität nicht verstehen zu wollen und sich die eigene Ohnmacht einzugestehen.
Nur dann kann man sehen, dass Totalität und Perfektionismus ein nie zu erreichendes Ideal sind. Dem gegenüber stehen der persönliche und individuelle Einfluss als Teil des Lernens als soziale Gruppe. Hier geht die individuelle Erfahrung in das kollektive (in technologischen Dingen & Fertigkeiten verankerte) Wissen der Menschheit ein.

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Today the word ‚digital revolution‘ is used frequently. This term is a bit misleading because we are not dealing with a total, radical replacement of analogue media and the social techniques we learned with them.
Rather, since the introduction of the digital technologies from the 1980s onwards, our world has been undergoing constant change.
The enormity of this change is beyond question: communication, acquiring information and process control are changing our world in a lot of ways – from the production of our food to the monitoring of global development up to the contact over distances of several thousand kilometers.

But I would like to emphasize here a central point: We have always learned as a social group.

This point seems simple, for basically we know that one can acquire more than a tiny part of human knowledge. Nevertheless, the idea of ​​totality is anchored deeply in our thinking and one would like to ‚understand everything‘.
At this point, the first overpowering of the individual must occur, with which a realization should be associated:
„With my limited human capacities, I can contribute only a small part to humanity’s thought process.“

So there are at least two possibilities now for how to deal with digital change after this realization:
1. Passive. One lives without sustainable development in the sociocultural environment or refuses to take part in it.
2. Active. The material and intellectual resources of this society are used so that global change can proceed.

Returning to the central point of this essay:
We have always learned as a group, but our material and mental environment is always changing by technological innovations.
For example, the progress of the Roman Empire is based on the developments of agriculture, geography, statics, metal processing and many more. The industrial revolution was made possible by the use of fossil fuels, transatlantic connection and the vast distribution of printed knowledge amoung other technologies.

We do not just learn to improve our own chances and to gain an advantage with the technological achievements of our predecessors – we create a change in society (as a by-product of our egoistic actions).

This change is neither progress nor decay, because it is difficult to evaluate the process.
If we wish to examine an ethical component of these processes, one can only look at a reduced, simplified picture of the complex contexts.

It is much more practical to avoid dealing with the change in its complexity and to admit one’s own imperfection.
It is only then that one can see that totality and perfectionism are an ideal that can never be attained, which is opposed to personal and individual influence as a vital part of social learning for the collective wisdom transported by technological means.

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